Körting Rundfunk-Geschichte Header

Firmengeschichte

zusammengetragen von: Jürgen Tiedmann

1889 - ? Körting & Mathiesen AG

1889 wurde in Leipzig die Firma "Körting & Mathiesen AG" gegründet. In der Firma wurde Lichttechnik, Straßenbeleuchtung und Transformatoren hergestellt.
Die ersten Produktionsräume befanden sich in einer alten Leipziger Kakaofabrik in der Inselstr.


1925 - 1939 - Dr. Dietz & Ritter GmbH, Fabrik für Radio-Erzeugnisse und Transformatoren, Leipzig, (Körting-Radio) (D & R)

Am 01.04.1925 gründeten zwei ehemalige Mitarbeiter der Firma "Körting & Mathiesen AG", Leipzig, die Firma Dr. Dietz & Ritter GmbH, Fabrik für Radio-Erzeugnisse und Transformatoren, Leipzig. Firmensitz war in Leipzig O 27, Eichstädtstr. 9-11. Das neu gegründete Unternehmen übernahm die Abteilung Transformatoren und Widerstände der "Körting & Mathiesen AG", Leipzig-Leutzsch und führte sie fort. Am Unternehmen beteiligt sich der frühere Arbeitgeber. Dafür dürfen Dr. Dietz (technisch tätig) und Oswald Ritter (Kaufmann) den für Qualität bekannten Namen Körting mitführen. Sie liefern unter dem Markenzeichen DR Übertrager (Supremo), Drosseln, Transformatoren und dynamische Lautsprecher (Magnavox nach US-Lizenz) und andere Bauteile in hervorragender Qualität. Schon bald stellen sie dem Firmennamen Körting-Radio voran.

1932/33 beginnt das Unternehmen Radios zu produzieren. Den Start bildet eine Serie von Geräten in etwa 20 Varianten! Wahrscheinlich nicht nur die 1-Kreiser sind Entwicklungen von Dr. P. Lertes (vorher bei Schneider-Opel). Ein Jahr später produziert Körting mit den Modellen „Cyclo-Super“ und „Hexodensuper“ ihre ersten Überlagerungsempfänger. Körting-Radio gehört schon ab 1933, also in der zweiten Verkaufssaison, zu den großen Herstellern! Der Marktanteil beträgt 5,2%; 1934 sind es 7,35%.

Es folgen 1934/35 die "Cyclo-Selector", "Cyclo-Royal" etc. Auch der 2-Kreis-Reflexempfänger "Novum" ist ein erfolgreiches Modell, das wiederholt in Abwandlungen zum Verkauf kommt. Die Produkte der Firma gelten als außerordentlich gute Qualitätsarbeit - z.B. "Ultramar" 1935.

Das mit einem "Grand Prix" ausgezeichnete Spitzengerät von 1938/39 bildet der motorabgestimmte 11-Röhren-8-Kreis-Super "Transmare" zum Preis von RM 820. Ritter kann die 20% Beteiligung der Firma "Körting & Mathiesen" kaufen und bestimmt die technische Linie bei Körting mit.

1935 wurde die Firma "Dr. Dietz & Ritter GmbH" vom Reichsluftfahrtministerium zur Luftfahrt-Geräte-Fertigung (Funkentelegraphie) herangezogen.

1939 begann eine Fertigung funktechnischer Geräte für die Luftwaffe.

Am 04.09.1939 erfolgte durch einen Beschluss des Generalluftzeugmeisters eine Beschlagnahme. Grund hierfür war ein, seit Jahren bestehendes, gespanntes Verhältnis zwischen den beiden Geschäftsführern. Dies führte 1939 dazu, dass es seitens des Luftfahrtministeriums die Befürchtung gab, dass dies Auswirkung auf die laufenden Rüstungsaufträge haben könnte.
Die Geschäftsführung der Gesellschafter Ritter und Dr. Dietz sowie der Prokuristen ruhte vorerst ab dem 25./26.09.1939 und wurde am 05./13.07.1940 gelöscht.
Als Kommissar des Reiches wurde Direktor Edmund Schneider bestellt.

Logo Dietz & Ritter GmbH               Logo Körting Radio        Logo Körting Radio        Logo Dietz & Ritter Domo        Logo Körting Radio        Logo Körting Radio        Logo Körting Radio        Logo Körting Radio
Quelle: [4]        Logo 1931
Quelle: [1]
       Quelle: [4]        Quelle: [4]        Quelle: [4]        Quelle: [4]        Quelle: [4]        Logo 1938-39
Quelle: [4]
       Quelle: [21]

Produktbeispiel:


1939 - 1941 - Leipziger Funkgerätebau GmbH (Lefu)

Logo Leipziger Funkgerätebau GmbH Quelle: [1]

Am 22.08.1939 wurde, kurz vor der Beschlagnahme der "Dr. Dietz & Ritter GmbH", die "Leipziger Funkgerätebau GmbH" als reichseigener Betrieb gegründet.
Sitz der Firma Lefu war in Leipzig O 27, Eichstädtstr. 9-11. Als Leiter wurde Direktor Edmund Schneider mit Sitz in Leipzig, Nonnenmühlgasse 2-4 bestellt.
Die GmbH sollte sicherstellen, dass die laufenden Rüstungsaufträge für die Wehrmacht von "D & R" fortgeführt werden.
Sie unterstand direkt dem Ministerium speziell für die Fertigung funktechnischer Geräte für die Luftwaffe.

Am 04.09.1939, gleichzeitig mit der Beschlagnahme der Firma "Dr. Dietz & Ritter GmbH", wurde die Firma Lefu durch das Reichsluftfahrtministerium angewiesen unverzüglich ein Neubauvorhaben in der Melcherstr. 7 zu übernehmen.

Am 15.06.1940 erfolgte der Abschluss der notariellen Kaufverträge mit den Gesellschaftern der "Dr. Dietz & Ritter GmbH".

Am 19.04.1941 erfolgte ein Gesellschafterbeschluss der "Löwe-Radio AG" die "Leipziger Funkgerätebau GmbH" am 23.04.1941 aufzulösen. Als Liquidator war Direktor Dr. Herbert Meißner bestellt.


1939 - 1948 - Oswald Ritter AG, Körting Radio (auch Körting-Radio-Werke Oswald Ritter) (auch Sächsische-Apparatebau GmbH)

Mit dem Abschluss der notariellen Kaufverträge zwischen der "Leipziger Funkgerätebau GmbH" und den Gesellschaftern der "Dr. Dietz & Ritter GmbH" am 15.06.1940 erfolgte die Ausgliederung des Rundfunkgeschäfts und wurde durch Oswald Ritter fortgeführt. In der notariellen Eintragung wird die Umbenennung in "Sächsische-Apparatebau GmbH" mit Sitz in Leipzig, Eichstädtstr. 9-11 genannt.

Die Firma beschäftigte ca. 1.200 Arbeitskräfte. Sie war auf den Gebieten Elektroakustik, Telegrafie, Telefonie und Bildübertragung tätig.
Alleiniger Gesellschafter war die "Leipziger Funkgerätebau GmbH" ab 05.07.1940.

Bis 1948 versuchte Oswald Ritter die Leipziger Firma zu leiten.


1939 - ??? - Elektro-Apparatebau GmbH (Elektro)

Mit dem Abschluss der Kaufverträge zwischen der "Leipziger Funkgerätebau GmbH" und den Gesellschaftern der "Dr. Dietz & Ritter GmbH" am 15.06.1940 und der Ausgliederung des Rundfunkgeschäfts wurde auch diese Firma gegründet. "D & R" wurde in "Elektro" geändert.
Alleiniger Gesellschafter war die "Leipziger Funkgerätebau GmbH" ab 05.07.1940.

Vermutlich wurde diese Firme durch Dr. Wilhelm Dietz geführt.
In der Firma waren ca. 3.000 Arbeitskräfte beschäftigt.

Am 19.04.1941 erfolgte ein Gesellschafterbeschluss der "Löwe-Radio AG" die "Elektro-Apparatebau GmbH" am 19.04.1941 aufzulösen. Als Liquidator war Direktor Dr. Herbert Meißner bestellt.

Dr. Dietz verstarb in den Kriegsjahren.


1941 - 1942 - Loewe-Radio AG, Leipziger Werke

1941 erfolgte die Unterstellung der "Leipziger Funkgerätebau GmbH" als Werk Leipzig der "Löwe-Radio AG".


1949 - 1983 - Körting Radio Werke GmbH, Grassau

Nach Kriegsende 1945 wurde "Opta-Radio AG, Leipziger Werke" unter alliierte Kontrolle gestellt.

Die zivile Produktion in Berlin, Leipzig und Küps bei Kronach wurde mit Notprogrammen wieder aufgenommen.

1945 betrug im Werk Leipzig die Zahl der Arbeitskräfte noch ca. 80 - 100.
Es entstand unter sowjetischer Führung die "SAG Opta-Radio AG, Werk Stötteritz".
Oswald Ritter versuchte bis 1948 noch die Leipziger Firma zu leiten.
Dies gelang ihm nicht, er siedelte mit einem kleinen Stab in die Bundesrepublik über.

Am 01.07.1949 wurde im Schloss Niedernfels, in der Nähe von Grassau/Chiemgau, neu begonnen und die Produktion von Körting-Geräten wieder neu aufgenommen.

Bis 1950 hatte der Betrieb bereits wieder 600 Mitarbeiter.

1952 entstand eine neue Fabrikanlage in Grassau.

Am 30.07.1953 trat Oswald Ritter in den Ruhestand. Dr. Gerhard Böhme übernahm die Geschäftsführung.

1954 erfolgte eine Bindung an das "Versandhaus Neckermann" welches den gesamten Inlandsverkauf für "Körting" übernahm. Den Export betrieb "Körting" weiter in eigener Regie.

1961 hatte der Betrieb 1.700 Mitarbeiter.

Am 04.02.1963 wurde ein Zweigwerk in Grödig bei Salzburg eröffnet (Körting Austria).

1964 entstanden weitere Zweigwerke in Wallerstein für die Gehäusefertigung und ein Werk in Pavia (Körting Italiana s.r.l.).

Am 08.04.1969 wurde das Werk Brühl von "Julius Karl Görler (JKG)" übernommen

1970 kam es zu ersten Kontakten und Zusammenarbeit mit der jugoslawischen Firma "Gorentje".

1977 liefen die Verträge mit "Neckermann" aus.

Am 21.02.1978 musste "Körting" einen Vergleichsantrag beim Amtsgericht Traunstein stellen.

Am 09.06.1978 meldete "Körting" Konkurs an.

Am 01.09.1978 erfolgte die Übernahme der "Körting Radio Werke GmbH, Grassau" durch "Gorentje".

Im Frühjahr 1979 wurden keine Geräte der alten Körting-Ära im Handel mehr angeboten.

Im Oktober 1980 wurde die gesamte Grassauer Führung durch "Gorentje" abgesetzt.

Am 31.03.1983 wurde "Körting" liquidiert.


Quellen: [4], [23], [25], [165], [301], [329]


Letzte Änderung dieser Seite: 31.07.2026